Tempus Saltus Lautenspieler


Im Herbst anno 1989 inmitten der Wende - später auch deutsche Einheit genannt - winkte im unterirdischen Schlosse im Kyffhäusergebirge Kaiser Barbarossa - auf den Tag genau 800 Jahre nach seinem Tod - seinen Knappen:

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Tor, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Vom elfenbeinen Throne,
Erhebt der Kaiser sich,
Setzt auf die goldne Krone
Nimmt auf sein Schwert vom Tisch.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muss ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.

Er sah viel Raben fliegen,
Aus West in Richtung Ost.
Der Eichen Ast sich biegen,
Die Schwerter voller Rost.

Rotbart

Er richt sein Schwert gen Himmel,
Dann ist es jetzt wohl Zeit,
He Knabe, bring den Schimmel
Ihr Recken seit bereit.

So zieht er durch die Lande.
Vereint der Ritter Heer,
Egal von welchem Stande,
Es werden immer mehr.

Die Grenzen sind gefallen,
Das deutsche Volk vereint.
Hört es der Kaiser schallen,
Er meint , er hätt geträumt.

Längs blinken ihre Waffen,
Die Schwerter frei von Rost,
Bald werden sie es schaffen,
Dies ist des Volkes Trost.

Der Mauer letzte Reste,
Sie schlagen mitten drein,
Noch in des Volkes Kopfe,
Sie werden nicht mehr sein.


frei nach FRIEDRICH RÜCKERT ( 1817 )


Es war im Herbst anno 2002 als Kaiser Rotbart durch die Goldene Aue zog. Es schlossen sich ihm Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und Orten der Region an und haben ein Laienspieltheater aus der Taufe gehoben. Allen gemeinsam war und ist die Freude am Spielen und die Unterhaltung ihrer Mitbürger. Schon kurze Zeit später hat der eiserne Kern der Truppe einen Verein mit dem klangvollen Namen

Poeta Historica

gegründet.

Unser Ziel war und ist es durch unsere Laien-, Hobby- und Schauspieltätigkeit kulturell tätig zu sein und allen interessierten Menschen unserer Region - und auch darüber weit hinaus - historisch gewachsenes, heimatkundliches Brauchtum nahe zu bringen, dabei mit ihnen auf Zeitreisen zu gehen und das regionale Geschichtsbewusstsein auszubilden. Bei jedem unserer Auftritte gehen Mitwirkende und Zuschauer auf eine Reise in vergangene Zeiten und erleben dadurch ein Stück Geschichte ihrer Region. Dies gibt allen Beteiligten die einmalige Gelegenheit, ihr Geschichtsbewusstsein weiter auszubilden, dies nicht nur durch nüchterne Geschichtszahlen, sondern auch durch eine spannende Handlung in farbenprächtigen Bildern. Dabei bemühen sich die Mitglieder in ihren Theaterstücken dem Zuschauer den jeweiligen Geschichtsrahmen und die geschichtlich verbrieften Personen so realistisch wie möglich nahe zu bringen. Die Darsteller ermuntern dabei die Zuschauer aller Altersklassen den Wurzeln unserer mitteleuropäischen Kultur und der Geschichte im allgemeinen nachzugehen.

Alle bisherigen Stücke wurden durch Vereinsmitglieder geschrieben. Dabei haben sich die Autoren stets bemüht die lokalen geschichtlichen Ereignisse und realen Personen so exakt wie möglich auftreten zu lassen. Aber darüber hinaus nutzen wir den schauspielerischen Freiraum, um über die frei erfundenen Personen in den jeweiligen Stücken den Bezug zum Heute, mit all seiner Freude und dem Leid, den Intrigen und dem Hass herzustellen. Dabei bemüht sich jedes einzelne Mitglied des Vereins, die von ihr verkörperte Person, mit ihrer Kleidung und ihrem Habitus so originalgetreu wie möglich auf der Bühne erscheinen zu lassen. Um die Aufwendungen für die Ausstattung einer Person für nur ein Stück so gering wie möglich zu halten, fertigen viele Mitwirkende ihre historischen Gewänder und sogar Teile ihrer Ausrüstung selbst - dies mit großer Liebe zum Detail. Die meisten Kosten werden von den Vereinsmitglieder selbst getragen, da der Verein keine eigenwirtschaftlichen Ziele verfolgt. Oft tritt der Verein unentgeldlich auf. Durch eine Sammlung oder durch einem erhobenen Eintritt wird der Transport zum Aufführungsort oder der Auftritt selbst finanziert. Es ist für den Einzelnen nicht immer leicht, seine Arbeit, die persönlichen Verpflichtungen und das Laienspiel unter einen Hut zu bringen. Im Herbst eines Jahres wird über das oder die neuen Stücke für das nächste Saison nachgedacht und mit Begin des neuen Jahres wird einmal die Woche geprobt. So eine Probe kann schnell einmal 3 bis 4 Stunden dauern. Aber zur großen Premiere sind alle Hürden genommen und der Applaus des Publikum ist der schönste Lohn für alle Beteiligten. Nach der Premiere geht es weiter mit Auftritten in der Region und manchmal sogar überregional.

Schon Tradition geworden ist eine gemeinsame Feier mit dem Partner am Ende einer Saison. Diese findet stets in einem entsprechenden Umfeld statt und natürlich in historischer Gewandung. Zu mittelalterlichem Gesang gibt es dann deftige Speisen und reichlich Met.



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Die erste Premiere eines Hauptstückes fand am 19. Juli 2003 auf der Pfalz zu Tilleda statt. Der Verein POETA HISTORICA gab in Zusammenarbeit mit Schülern des Schiller-Gymnasiums aus Sangerhausen das Stück:

"Im Auge des Falken -
         oder - Barbarossas letzte Reise"


Dieses schildert in vielen bunten Bildern die Vorbereitung und Durchführung des dritten Kreuzzuges unter Kaiser Barbarossa, sein Werben um Unterstützung bei den deutschen Fürsten während seines Aufenthaltes auf den jeweiligen Kaiserpfalzen, bis hin zu seinem Ertrinken im Fluss Saleph.
Es folgten über den Sommer weitere Auftritte auf den Burgen und Schlössern der Region, zwischen Harz und Kyffhäuser.
Parallel zu dem Hauptstück spielten einige Mitglieder des Vereines zwei kleine Stücke, deren Inhalt jeweils ein Stück Geschichte der Stadt Sangerhausen darstellte.
So gaben wir einmal im Mai 2003 in der Aula des Schiller-Gymnasiums und ein zweites Mal im Oktober zum Festakt auf dem Gelände des Rosariums das Stück:

"Wie das Rosarium entstand . . ."


Im Verlaufe des Spieles stellten sich die Herren und eine Dame vor, welche maßgeblich an der Entstehung und dem Aufbau des Rosariums beteiligt waren.

Ein weiteren Höhepunkt der Stadt Sangerhausen im Jahre 2003 war die Kirchennacht im September und wurde ebenfalls von einigen Mitglieder des Vereines durch eine farbige und aktionsreiche Aufführung vor der Jacobi-Kirche untermalt:

" Ludwig der Springer - oder -
         Wie Sangerhus zur Ulrichkirche kam !"


Gespielt wurde die Sage von der schönen Adelheid und Ludwig dem Springer, dem Mord am Pfalzgrafen Friedrich, sein Aufenthalt auf der Giebichenstein, seine Flucht und sein Versprechen dem heiligen St. Ulrich eine Kirche zu weihen.

Der Verein präsentiert sich aber nicht nur bei seinen mittelalterlichen Auftritten, sondern zeigte sich 2003 beim Rosenfestumzug und jährlich bei der Straße der Vereine zum Kobermännchenfest im September in Sangerhausen. Er schmückt mit seinen mittelalterlich gewandeten Mitgliedern Festumzüge in der Region und war schon öfter Mittelpunkt bei Stadtfesten und Jahresfeiern.



Im Jahr 2004 traten wir erstmals im Mai zur 800-Jahr-Feier der Stadt Sangerhausen mit dem Stück auf:

"800 Jahre Stadtrecht -
         oder - Sangerhusen wird Stadt . . . "


Mit großem Engagement und viel Aktion entführten die Mitglieder des Vereins ihre Zuschauer in eine Zeit von vor 800 Jahren, wo häufige Kriege oder Händel das mittelalterliche Treiben bestimmten.

Ein zweites Stück wurde im Jahr 2004 für die Weihnachtszeit geschrieben.
Dies Stück spannte den Bogen von Rom unter Kaiser Augustus über Jerusalem unter König Herodes bis hin nach Bethlehem und der Geburt Jesus Christus unserem Heiland:

"Es begab sich aber zu der Zeit . . . "


Eine Anfrage bei den kirchlichen Gemeinden der umliegenden Orte ergab einen großen Zuspruch. So konnten bis zum Ende des Jahres den Wünschen nicht aller Gemeinden Rechnung getragen werden, so dass unser Verkündigungsspiel auch über die Jahreswende hinaus weiter aufgeführt wurde.



Für das Jahr 2005 stand wieder ein großes Stück im Mittelpunkt unserer Schauspieltätigkeit ( wobei unsere großen Stücke eine Spielzeit von zirka 2,5 Stunden haben; die anderen Stücke liegen zwischen 30 bis 90 Minuten ).
Die Premiere des Hauptstückes fand am 28. Mai 2005 in Berga statt. Gespielt wurde:

"Sturm auf der Ratzelburg"


Mit den Worten "Und folgt uns in dem Buch der Geschichte auf Seite 784..." schildert unser Stück den Kampf eines thüringer Gaugrafen gegen Karl den Großen, um seine angestammten Rechte. Ihm zur Seite heidnische Sachsen - ehemalige Kampfgefährten. Auf dem Höhepunkt kommt es zum Kampf zwischen den gepanzerten Kriegern Karl´s und den freiheitsliebenden Thüringern. Am Ende siegt König Karl - doch der Sohn des alten Gaugrafen führt gemeinsam mit der Tochter des einstigen sächsischen Waffengefährten beide Stämme einer hoffnungsvollen Zukunft entgegen.

Zwei weitere Stücke rundeten unsere Sommerspielzeit 2005 ab. Zum einen gaben wir in einer überarbeiteten Form zur 1150-Jahr-Feier von Goseck und zum Kobermännchenfest im September in Sangerhausen das Stück:

"Die Sage von Adelheid
         und Ludwig dem Springer"


und Ende September über ein Wochenende traten wir zur 650-Jahr-Feier der Stadt in Stadtprozelten mit dem Stück auf:

"Wie Protselden zu seinen
         privilegierten Stadtrechten kam"


Im Stück begleiten wir Kaiser Karl IV. und sein Gefolge auf seinem Weg nach Protselden, wo er dem dortigen Komture und Deutschordensmeister Philipp von Protselden "höchst selbst Botschaft und Urkund überbringet", welches der stattlichen Ansiedlung unterhalb der mächtigen Burg das privilegierte Stadtrecht verleiht, das Recht auf stärkere Befestigung, Blutgericht und Marktrecht.

Dies war noch nicht das gesamte Programm für das Jahr 2005. Auf Grund der großen Nachfrage aus 2004 führten wir auch 2005 unser Verkündigungsspiel aus dem vorangegangenen Jahr in vielen Kirchen der Region wieder auf.



Im Jahr der Ottonen - 2006 - wollten wir ein Stück über das mächtige Geschlecht der sächsische Kaiser und Könige aufführen. Der Titel:

"Von Riade nach Rom"



Wir beginnen unsere Reise in das Mittelalter mit dem Jahr 936 und befinden uns in Memleben, der Lieblingspfalz des Königs. Herr Heinrich ist Herzog von Sachsen und seit 17 Jahren erster König der Deutschen. Er ahnt seinen nahen Tod und will die Zukunft des Reiches richten. Sein Erstgeborener Otto soll nach des Vaters Ableben den Thron besteigen und zum König gekrönt werden. Diese Entscheidung gefällt nicht allen im jungen Reich. Hader, Neid und blutige Familienfehden ließen die Schwerter vielerorts erklingen und den jungen König nicht aus Rüstung und Sattel kommen.
Natürlich waren auch schöne Frauen im Spiel. Mit der Hochzeit Ottos und der schönen Königin-Witwe Adelheid setzt er sich zusätzlich die italienische Krone aufs Haupt. Der Weg nach Rom ist geebnet. Im Jahre des Herren 962 gibt es dortselbst die Kaiserkrone und es beginnt eine glanzvolle Ära römisch-deutschen Kaisertums.
Schließlich erfolgt sogar noch ein Brückenschlag zwischen dem ost- und dem weströmischen Reich. Der glück- und sieghafte Kaiser kann am Ende seinen Sohn und Nachfolger Otto II. mit einer byzantinischen Prinzessin, einer Kindfrau namens Theophanu vermählen.

Im weiteren Verlauf des Sommers gab der Verein zur 1045-Jahr-Feier in Breitungen noch einmal in einer modifizierten Form das Stück aus 2005:

"Wie Breydinge zu
         seinen privilegierten Rechten kam"



Diesmal war Kaiser Otto der Große mit Gefolge von Quedilingaburg aus unterwegs, um dem kleinen Harzort Breydinge höchstpersönlich die Urkunde für Gerichtsbarkeit und freies Marktrecht zu überbringen.

Anlässlich der Fertigstellung der Restaurierung des Bergfried auf dem Kyffhäuser sorgte der Verein für Kurzweil mit dem Stück über Ludwig den Springer.

Und bereits zur Tradition geworden -
unser Weihnachtsstück in der Adventzeit.



Mit dem Ende 2006 endete auch die erfolgreiche Ära des Verein POETA HISTORICA.

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