Tempus Saltus Tempus Saltus


     


Herr Heinrich ‚ Herzog von Sachsen und seit 17 Jahren erster König der Deutschen lehnt sich schwer aufatmend in seinem Sessel zurück. Wir schreiben das Jahr 936, befinden uns in Memleben, der Lieblingspfalz des Königs.

Wenn man doch noch einmal nach Herzenslust jagen könnte ! Er seufzt schwer auf. Seit dem Schlagfluss im Vorjahr kann er davon nur noch träumen.

Doch hat er nun sein Haus bestellt, -- das Reich geordnet. Die deutschen Stämme waren unter seiner starken Hand geeint worden;

zunächst Sachsen und Franken,

später Schwaben und Bayern,

zuletzt auch Lothringen huldigen ihm.


Das Reich unter Otto dem Großen →

Nun auch noch die Auseinadersetzung mit seinem eigensinnigen Weibe Mathilde. Gar zu gern hätte diese ihren Lieblingssohn Heinrich auf dem Thron der Deutschen als Nachfolger gesehen. Doch bei allem Respekt; diese Entscheidung war Chef - Sache. Otto, ihr Erstgeborener, wenn auch noch nicht "unter Purpur", sondern als Grafensohn, schien dem weisen Vater der Bessere.

Und die Geschichte sollte ihm vielmals Recht geben. Zwar waren alle Geschwister reich bedacht worden, doch schon kurz nach des Vaters Ableben und Ottos Thronbesteigung wetterleuchtete es im jungen Reich. Hader, Neid und blutige Familienfehden ließen die Schwerter vielerorts erklingen und den jungen König nicht aus Rüstung und Sattel kommen.


← Otto I. mit seiner Gemahlin Adelheid und dem achtjährigen Thronfolger Otto II. zu Füßen Christi

Dazu kamen noch rauflustige Nachbarn an allen Grenzen des Reiches. Wohl waren die Westfranken zerstritten, die Wikinger durch Vater Heinrich besiegt, die Slawen im Osten keine gefährlichen Gegner. Doch im Südosten hatten sich die Ungarn von der vernichtenden Niederlage erholt, die König Heinrich ihnen 933 in Riade an der Unstrut beschert hatte. Sie waren seit Jahrzehnten eine Geißel Gottes ähnlich den Hunnen vor fünfhundert Jahren, deren Lebensart und Kampfesweise sie imitierten, ihnen auch an, Kampfeskraft, Todesverachtung und Eroberungswut nicht nachstanden.

Und wie wir alle doch ‚es Geschichtsunterricht wissen, hat Otto 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld auf nachdrückliche und vernichtende Weise dafür gesorgt, dass die Nachfahren der dereinst kriegerischen Ungarn heute als friedliches Hirtenvolk die Pussta durchstreifen. Europa hielt den Atem an und erwies Otto hohen Respekt;
"Der Große" ward er seither genannt.

Natürlich waren auch schöne Frauen im Spiel.
Unser König, inzwischen Witwer, folgt einem Hilferuf der schönen Königin-Witwe des Langobardenreiches Adelheid. Er zieht über die Alpen, befreit sie aus der Kerkerhaft eines misslichen Verehrers, ehelicht sie hocherfreut - und setzt sich zusätzlich die italienische Krone aufs Haupt. Der Weg nach Rom ist geebnet.
Im Jahre des Herren 962 gibt es dortselbst die Kaiserkrone und es beginnt eine glanzvolle Ära römisch-deutschen Kaisertums über dreihundert Jahre.

Schließlich erfolgt sogar noch ein Brückenschlag zwischen dem ost- und dem weströmischen Reich. Der, glück- und sieghafte Kaiser vermählt seinen Sohn und Nachfolger Otto II. mit einer byzantinischen Prinzessin, einer Kindfrau namens Theophanu. Diese akklimatisiert sich im rauen Lande der Teutonen rasch, erweist. sich alsbald als kluge und wegweisende Regentin. Der Europäische Gedanke hat sich nach Karl dem Großen zu erneuter faszinierender Blüte aufgeschwungen.


Christus segnet Otto II. und Theophanu →


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